Über die neue Schell-Edition

Besprochen von Leif Allendorf

  • Maximilian Schell Jubiläums Edition. Die preisgekrönten Film-Regiearbeiten. Eurovideo, 374 Min, EUR 34,99. Enthält: Erste Liebe (1970), Der Fußgänger (1973), Der Richter und sein Henker (1975), Geschichten aus dem Wiener Wald (1979). Mit Birgit Doll u.a.

Maximilian Schell, der 2005 seinen 75. Geburtstag feierte, ist für zwei Karrieren bekannt. Ersten Ruhm errang der Österreicher als international gefragter Schauspieler und Frauenschwarm der Nachkriegszeit. In jüngster Zeit machte Schell sich als Dokumentarfilmer einen Namen. So porträtierte er zwei Frauen, die im Alter zu Schatten ihres Ruhmes wurden: Marlene Dietrich und seine Schwester Maria Schell.

Filme mit Gefühl. Regisseurin Noémi Lvovsky im Gespräch mit Caroline Elias und Thomas Weber, 19.12.05

 

Wie haben Sie ihren ersten Film finanziert?

Bei meinem ersten Film hatte ich unglaubliches Glück. Ich konnte ihn ohne Exposé und Drehbuch beginnen, was wirklich selten ist. Ich hatte vorher einen Kurzfilm gedreht, der auf zahlreichen Festivals gelaufen war und großen Anklang gefunden hatte. Es war ein unglaublicher Zufall: Einmal wurde direkt davor ein Film von Jean-Luc Godard gezeigt, den ich nicht kannte und den ich im Übrigen bis heute nicht kenne. Er meinen Kurzfilm gesehen, sprach mit seinem Produzenten und empfahl ihm, diesen Film zu produzieren. Der Produzent sah sich den Film an und wollte mich kennen lernen. Da war ich noch an der Schule, in der Drehbuchklasse, und ich war überhaupt noch nicht sicher, ob ich selber drehen will, und in diesem Moment kam der Produzent und fragte mich, ob er meinen ersten Spielfilm produzieren dürfte. Das war eine enorme Chance, denn ich war noch recht jung, gerade 25. Hinzu kam, dass Jean-Luc Godard sich für den Film einsetzte, was ihm ein großes Gewicht verlieh.

Neumann, Miriam: Kopftuch und Geheimpolizei. Über Marjane Satrapis politischer Comic ‚Persepolis‘, 30.11.05

Wir haben ihren Geschichten – mehr oder weniger interessiert – zugehört. Nun ist es an der Zeit, den so genannten jungen deutschen Popliteraten und ihren noch seichteren Geschwistern, den Zonenkindern, die Tür zu weisen. In einer Zeit, in der unter dem Stichwort des Antiterrorkampfes täglich schwerste Verstöße gegen Grund- und Menschenrechte begangen werden und das Beherrschen der arabischen Sprache in Verbindung mit dem Tragen von Bart oder Kopftuch bereits als höchst verdächtig gelten kann, sollten wir junge Autoren zu Wort kommen lassen, deren Lebensweg einen Einblick in die Vielfalt islamischer Lebenswelten gewährt.

Tomlinson, John/ Schooneveldt, Simon/ Harrington, Penny: Australian Workers and Unions Should Support Basic Income, 18.11.05

The journey to a full universal Basic Income is essentially the search for the answer to just one question: „How do we best meet the income support needs of all who find they are without the capacity to provide for themselves?“ This paper will try to answer that question.

Introduction

 

Nattrass, Nicoli: AIDS, Disability and the Case for a Basic Income Grant in South Africa, 18.11.05

AIDS gehört zu den heimtückischsten bekannten Krankheiten. Besonders in afrikanischen Ländern prägt sie stark das Gesellschaftsbild. In Ländern wie Südafrika, die AIDS-Erkrankten finanzielle Unterstützung gewähren, ist immer wieder zu beobachten, dass besonders arme Menschen sich über eine AIDS-Erkrankung in der Familie freuen. AIDS wird dann zu einem Argument für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, um bewusst herbei geführte Erkrankungen zu verhindern.
Nicoli Natrass untersuchte die Bedingungen für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens in Südafrika.

Howard, Michael W.: Is a Generous Basic Income Compatible with Open Borders?, 18.11.05

Die Forderung nach der Einfuhrung eines bedingungslosen Grundeinkommens wurde besonders in den letzten beiden Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Dass es sich dabei nicht nur um ein Problem der Finanzierung handelt, sondern auch Entwicklungen deutlich größeren Ausmaßes losgetreten werden können, macht Michael W. Howard deutlich.

Van Parijs, Philippe: Does Basic Income Make Sense As a Worldwide Project?, 18.11.05

Does basic income make sense as a worldwide project? To my own amazement, I have come to believe that it does, incomparably more than I did when we founded the Basic Income European Network in 1986.

To explain this, I first need to distinguish two senses in which one might think of turning basic income from a national, or at most a European, into a worldwide project. There is the swelling and there is the spreading.

Swelling the project?

Swelling the basic income project into a worldwide one consists in imagining that it can be organised in a truly universal way, administered and funded at a global level.

Rückblick ohne Ostalgie. Musiker André Herzberg im Interview mit Leif Allendorf, 03.11.05

André Herzberg, Jahrgang 1955, war als Sänger der DDR-Band „Pankow“ für eine Jugendgeneration von Ostdeutschen das, was im Westen Herbert Grönemeyer oder Marius Müller-Westernhagen waren. Nach der Wende war es still um das einstige Idol. 2005 sprach er erstmals über das Thema jüdische Identität in der DDR.

Was bedeutete jüdische Herkunft in der DDR? Gab es da eine bestimmte Erwartungshaltung der anderen?

Über Wim Wenders ‚Don’t Come Knocking‘

Besprochen von Christoph Hermann

  • Don’t Come Knocking. Regie: Wim Wenders. Produktion: Deutschland/USA 2005. Laufzeit: 122 Min.

Der in die Jahre gekommene Cowboy Darsteller Howard Spence scheint plötzlich genug von seiner Karriere zu haben, mitten in einer Filmproduktion verlässt er in einer Drehpause das Set und reitet noch im Filmkostüm davon. Da er großer Filmstar ist, lässt er sich nicht ersetzen und seine Fahnenflucht bringt ein Geschäft in Gefahr, bei dem es um Millionen von Dollar geht. Deshalb lässt die Filmversicherung gleich einen ihrer Agenten einfliegen, der sich auf Howards Spur macht.

Mit dem Blick fürs Ungewöhnliche. Regisseurin Tonie Marshall im Gespräch mit Caroline Elias und Thomas Weber, 12.08.05

Im Rahmen der Reihe „Mit Frankreich am Set“ hatten Thomas Weber und Caroline Elias die Gelegenheit mit der französischen Regisseurin Tonie Marshall über die Filmszene in Frankreich und ihre eigenen Filme zu sprechen.

War es schwierig für Sie, die Finanzierung für Ihren ersten Film zu bekommen?

Nein, damit hatte ich ganz und gar keine Schwierigkeiten, denn er wurde von Produzent Charles Gassot finanziert, der damals gerade mit dem Film „Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss“ (La vie est un long fleuve tranquille) großen Erfolg gehabt hatte. Daher hatte er Kapital und bekam außerdem Referenzfilmförderung („fonds de soutien“ des CNC), so war mein Film leicht zu finanzieren, dennoch war er meiner Meinung nach zu teuer. Dafür hatte ich aber dann Probleme, das Geld für den zweiten Film zu finden.