Poesie gegen die Kultur des Todes. Fernando Rendón im Interview mit Camilo Jiménez, anlässlich der Verleihung des Alternativen Nobelpreises 2006, 08.12.06

Eine gekürzte Version dieses Interviews erschien am 6. Dezember 2006 in der kolumbianischen Tageszeitung El País (www.elpais.com.co).
 
Das Interview wurde von Britta Astrid Verlinden übersetzt.
 

Das Internationale Festival der Poesie in Medellín (FIPM), Kolumbien, ist das größte und eins der renommiertesten Poesiefestivals der Welt. Als es 1991 vom Dichter Fernando Rendón gegründet wurde, war die weltberühmte Mafiastadt Medellín eine der gefährlichsten und gewalttätigsten Städte der Welt. Ein blutiger Krieg zwischen den von Drogenkartellen geforderten Paramilitärorganisationen und dem kolumbianischen Staat herrschte damals im Lande, und im Mittelpunkt der Kämpfe stand mit rund 60 Toten pro Tag Medellín als „Welthauptstadt der Gewalt“.

Touraine, Alain: Ségolène Royal am Scheideweg, 30.11.2006

Der Sieg Ségolène Royals bei der sozialistischen Kandidatenkür für die Präsidentschaftswahlen 2007 hat die politische Ausgangslage der Parti socialiste (PS) grundlegend verändert. Die linke Neinsagerkoalition wird sich von dieser Niederlage nicht mehr erholen. Eine heilige Kuh ist geschlachtet. Gleichwohl können sich aus diesem Sieg prinzipiell zwei unterschiedliche Weichenstellungen ergeben.

Einerseits könnte es das Ende bedeuten für eine realitätsferne Linksradikalenrhetorik. Lange schon, zumal seit 1981, pflegt die Linke einen denkbar radikalen und antikapitalistischen Diskurs. Der Sieg der Gegner der europäischen Verfassung ging – auch in den Reihen der Sozialisten – mit kraftstrotzenden Kommentaren einher, denen zufolge Marktwirtschaft und soziale Gerechtigkeit unvereinbar seien und mithin der Einfluss des Staates und des öffentlichen Sektors auf die Wirtschaft ausgebaut werden müsse.

Über ‚Heymann Steinthal und die Grundlegung der Völkerpsychologie in Deutschland im 19. Jahrhundert‘ von Céline Trautmann-Waller

Besprochenvon Céline Trautmann-Waller

  • TRAUTMANN-WALLER, Céline: Aux origines d’une science allemande de la culture. Linguistique et psychologie des peuples chez Heymann Steinthal. CNRS éditions, Paris 2006. ISBN 978-2271064356.

Dieses Buch über den Linguisten, Anthropologen und Philosophen Heymann Steinthal (1823-1899) und über die Völkerpsychologie, die er mit seinem Freund Moritz Lazarus (1824-1903) begründete, versteht sich als Beitrag zu einer Kulturgeschichte Deutschlands zwischen 1840 und 1900 und zu einer Geschichte der wissenschaftlichen und intellektuellen Soziabilitäten im damaligen Berlin. Es untersucht die Entstehungsgeschichte der Kulturwissenschaften als einen der wesentlichen Aspekte der deutschen Geistesgeschichte im 19. Jahrhundert.

Klepzig, Sascha: Schöne Worte für das Klima. Merkel auf der Konferenz für Nachhaltigkeit in Berlin, 24.11.06

Während die Klimakonferenz in Nairobi weltweit Beachtung findet, bekam die am 26. September in Berlin stattfindende Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit trotz Anwesenheit der deutschen Bundeskanzlerin wenig Echo. Die Jahreskonferenz des Rates für nachhaltige Entwicklung fand weitaus weniger Beachtung als die Islamkonferenz einen Tag später, was im damals durch die Opernabsetzung aus Terror-Angst aufgeheizten Klima nicht verwundert.

Abstiegsangst der Mittelschicht. Über ‚Abstiegsangst der Mittelschicht‘ von Louis Cauvel

Besprochenvon Michael Tillmann

Vorsicht Globalisierung! Wissenswertes von Daniel Cohen. Über ‚Trois leçons sur la société post-industrielle‘ von Daniel Cohen

Besprochenvon Michael Tillmann

Der französische Wirtschaftswissenschaftler Daniel Cohen ist auch in Deutschland kein Unbekannter. Einige seiner Bücher über sein Steckenpferd – die Globalisierung – sind bereits bei Campus und der Europäischen Verlagsanstalt auf Deutsch erschienen. Der Autor beherrscht in der Tat die seltene und schätzenswerte Kunst, selbst komplexe wirtschaftliche Themen in verständlicher Form einem breiten Publikum näher zu bringen. Dabei bleibt er letztlich stets einem aufklärerischen Ziel verbunden: Ihm geht es um ein besseres Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge. Gerade sein Buch über die Globalisierung und seine Feinde ist hierfür ein gutes Beispiel[1].

Eine Frage der Wortwahl. Tilmann Spohn im Interview mit Camilo Jiménez, 20.10.06

Spohn ist Direktor des Instituts für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der renommierte Akademiker spricht über die Entscheidung der Internationalen Astronomen-Union (IAU), Pluto nicht mehr als Planeten zu bezeichnen.

Professor Spohn, was haben Merkur, Venus, die Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun, was Pluto nicht hat?

Horchen auf die Atombombe. Manfred Henger über Atomsprengungen in Nordkorea im Interview mit Camilo Jiménez, 13.10.2006

Wie deutsche Experten auf die nordkoreanische Atomsprengung horchten und nun einen Fehlschlag für möglich halten. Ein Interview mit Manfred Henger, Leiter des Referats für seismische Datenanalyse der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).


Herr Henger, am frühen Morgen des 9. Oktober haben Sie einen Anruf von der CTBTO bekommen, die Sie über seismische Aktivität in Nordkorea informierte. Was wollte man von Ihnen und Ihrem Team wissen?

Jiménez, Camilo: Me too, I’d like the atomic-bomb!, 13.10.06

At the end little has changed in the world since World War II and the atomic warfare of the Cold War days. Nowadays, having the atomic-bomb still means power, and to get a bomb is at this time easier than ever with North Korean nukes topping the lists in the black market this week. The world keeps on standing as is stood in the midst of the 20th Century: vis-à-vis with the threat of a chain reaction of world-wide atomic proliferation.

Allendorf, Leif: Neoliberalismuskritik, 10.10.06

In jüngster Zeit regt sich Unmut über den real existierenden Kapitalismus, und zwar auch in Kreisen, wo man dies nicht gewohnt ist. So forderte NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers kürzlich dazu auf, sich von der „Lebenslüge“ zu verabschieden, Steuersenkungen würden für mehr Arbeitsplätze sorgen. Sein Parteifreund, der Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus, brachte stattdessen die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ins Gespräch. 800 Euro des auch als Bürgergeld bezeichneten Unterhalts sollen das kostspielige Sozialsystem ersetzen. Was noch vor wenigen Monaten unmöglich schien: So verschiedene Parteien wie CDU und Grüne, Linkspartei und sogar die marktliberale FDP entwickeln derzeit alternative Konzepte. Mit prinzipieller Ablehnung reagiert allein die SPD.
Die Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder vom 14. März 2003, in der das Staatsoberhaupt ankündigte, statt der Arbeitslosigkeit künftig die Arbeitslosen zu bekämpfen, nimmt der Jesuitenpater Friedhelm Hengsbach zum Ausgangspunkt seiner Abrechnung Das Reformspektakel : warum der menschliche Faktor mehr Respekt verdient.. “Der Mensch, den die Agenda 2010 im Blick hat, gleicht einem Zerrbild real existierender Menschen.” Zum Thema der Rentenanpassung heißt es: “Was unter Bundeskanzler Kohl als Kahlschlag gebrandmarkt wurde, gilt inzwischen als Reformprojekt.” Das allgemeine wirtschaftsliberale Denken ist gegen Kritik resistent: “Es ließ sich vom Widerspruch empirischer Konjunkturanalysen, Kreislaufdiagnosen, nachfrageorientierter Szenarien sowie vom Nachweis tatsächlicher Wechselwirkungen der monetären und realwirtschaftlichen Sphäre nicht beeindrucken.