Über T. Gilliams ‚Brothers Grimm‘

Besprochenvon Leif Allendorf

  • Brothers Grimm (The Brothers Grimm), Regie: Terry Gilliam, Produktion: Großbritannien, Tschechien 2005, Laufzeit: 119 Minuten.

Die Gebrüder Grimm gehören zu den erstaunlichsten Personen der Geistesgeschichte. Das von ihnen erstellte Wörterbuch kann sich in seiner Wirkung auf die deutsche Sprache mit Luthers Bibelübersetzung messen. Bekannt sind jedem Kind – nicht nur in Deutschland – die Märchen, die von den Brüdern gesammelt und damit gerettet wurden. Was wäre diese Welt ohne die Geschichten von Rotkäppchen, Dornröschen und Schneewittchen?

Schneekönigin trifft Aschenputtel: Der britische Independent-Film “My summer of love” zwischen Liebesdrama und Sozialstudie

Besprochen von Leif Allendorf

  • My Summer of Love, Regie: Pawel Pawlikowski, Produktion: Großbritannien 2004, Laufzeit: 89 Min.

Zwei Mädchen flüstern sich im Dunkeln Schwüre zu: “Wenn du mich verlässt, werde ich dich töten!”, verspricht die eine. “Und wenn du mich verlässt, dann töte ich dich!”, bestätigt die andere. Aber es wird anders kommen. Die eine wird die andere verlassen. Und die andere wird die Treulose nicht töten. Obwohl es zunächst danach aussieht.

Über „Der Felsen“ von Dominik Graf

Besprochen von Leif Allendorf

  • Der Felsen, Regie: Dominik Graf, Produktion: Deutschland 2002, Laufzeit: 122 Minuten.

Etwas ratlos reagierte die Filmkritik auf Dominik Grafs Kinofilm, in der eine deutsche Urlauberin sich auf eine verhängnisvolle Liebesgeschichte mit einen jungendlichen Kriminellen auf Korsika einlässt. Über die Professionalität des Werkes war man sich einig. Aber irgendwie wurden die Rezensenten mit dem Streifen nicht so recht warm. Die bei Eurovideo erschienene DVD gibt Gelegenheit, sich den Kinofilm noch einmal in Ruhe anzusehen. Die Geschichte lebt zweifellos von der Hauptdarstellerin Karoline Eichhorn, die mit schlafwandlerischer Sicherheit durch die manchmal grausam scharfen, manchmal nächtlich verwischten Bildern der Digitalkamera durch die Ereignisse taumelt.

„Alexander“: Oliver Stone erliegt dem Heldenkitsch

Besprochen von Leif Allendorf

  • Alexander, Regie: Oliver Stone, Produktion: USA, Großbritannien, Deutschland, Niederlande 2004, Laufzeit: 175 Min.

Herodot, der „Vater der Geschichtsschreibung“, ist gleichzeitig der Begründer der abendländischen Sicht auf den Konflikt zwischen dem antiken Griechenland und Persien. Während die zerstrittenen hellenischen Kleinstaaten in Wirklichkeit dem persischen Weltreich niemals gefährlich wurden, so baute Herodot in den Historien die Geschichte der Perserkriege so auf, dass die Schlacht bei Salamis als vernichtende Niederlage des orientalischen Imperiums erschien. Bereits fünfzig Jahre nach dem Etappensieg waren Athener und Spartaner nämlich bereits wieder damit beschäftigt, sich gegenseitig zu zerfleischen – mit Unterstützung des persischen Herrschers. Erst hundert Jahre darauf gelang es dem Makedonier Alexander, das Weltreich in die Knie zu zwingen.

Wolfgang Petersens „Troja“: Ein Mythos wird entkernt

Besprochen von Thomas Weber

  • Troja, Regie: Wolfgang Petersen, Produktion: USA 2004, Laufzeit: 156 Minuten.

Es gibt Stoffe, die kehren mit schöner Regelmäßigkeit in den kulturindustriellen Verwertungskreislauf zurück, der immer wieder die gleichen Geschichten remediatisiert, sie zu neuen Clustern und Produktzyklen zusammenstellt. Dabei verändert sich der Stoff bei jeder Bearbeitung und sagt weniger etwas mittels seiner schon hinreichend erzählten Story aus, sondern vielmehr durch die Art und Weise eben jener Bearbeitung.

Troja-Cluster mit Brad Pitt und Wolfgang Petersen

„Swimming Pools“: Inszeniert von Jacques Deray und François Ozon

Besprochen von Halina Rasinski

  •  Der Swimmingpool (La Piscine), Regie: Jacques Deray, Produktion: Frankreich, Italien 1969, Laufzeit: 120 Minuten.
  • Swimming Pool, Regie: François Ozon; Produktion: 2003, Laufzeit: 99 Minuten.

Das Spritzen von Wasser durchbricht die heiße Stille von blauem Pool, blauem Himmel und Ferienhaus. David Hockneys Bild „A bigger Splash“ aus dem Jahr 1967 könnte für Jacques Deray’s „La Piscine“ („Der Swimming Pool“)von 1968 Pate gestanden haben: Alain Delon liegt dekadent am Rand eines Pools, leert die letzten Tropfen aus einem Glas. Jemand springt, er wird nass, Romy Schneider taucht auf, glänzend vom Nass, und legt sich auf ihn.

Keira Knightley – postfeministisch inflektiert: King Arthur

Besprochenvon Beatrice Michaelis

  • King Arthur, Regie: Antoine Fuqua, Produktion: USA, Irland, Großbritannien 2004, Laufzeit: 121 Minuten.

Auf der verzweifelten Suche nach einer Genealogie für unerkannt bleibende starke politische Führer und wahre Helden, die für die Freiheit einer Nation, ja der ganzen Welt kämpfen, macht sich der Produzent mit den Hollywood-weit besten Verbindungen zum Pentagon, Jerry Bruckheimer, nun gemeinsam mit dem Hobby-Historiker, Halbtags-Archäologen und Freizeit-Drehbuchautor David Franzoni über den alteuropäischen Artus-Mythos her.

Die historische “Wirklichkeit” des Hobby-Historikers und Halbtags-Archäologen

Don’t come watching: Der neue Wim Wenders-Film will ein Familiendrama zeigen, wo keins mehr stattfindet

Besprochenvon Christoph Hermann

  • Don’t Come Knocking. Regie: Wim Wenders, Produktion: Deutschland, USA 2005, Laufzeit: 122 Minuten.

Der in die Jahre gekommene Cowboy Darsteller Howard Spence scheint plötzlich genug von seiner Karriere zu haben, mitten in einer Filmproduktion verlässt er in einer Drehpause das Set und reitet noch im Filmkostüm davon. Da er großer Filmstar ist, lässt er sich nicht ersetzen und seine Fahnenflucht bringt ein Geschäft in Gefahr, bei dem es um Millionen von Dollar geht. Deshalb lässt die Filmversicherung gleich einen ihrer Agenten einfliegen, der sich auf Howards Spur macht.

„1 Mord für 2“: Die Neuverfilmung von Sleuth (1972)

Besprochenvon Paul Heisig

  • 1 Mord für 2 (Sleuth), Regie: Kenneth Branagh, Produktion: USA, Großbritannien, 2007, Laufzeit: 86 Minuten.

Im Jahr 1971 erblickte das Bühnenspiel Sleuth das Licht der Welt und gewann postwendend den Tony Award (der Oscar der Bühne) in der Kategorie Bestes Theaterstück. Für Drehbuchautor Anthony Shaffer sollte es der Höhepunkt seiner Karriere sein. Er war zwar vorerst gegen eine Verfilmung des Stoffs, ließ sich aber letztendlich doch dazu überreden, Sleuth obendrein für die Leinwand zu adaptieren. Das Ergebnis war ein grandioses Kammerspiel, welches mit Michael Caine und Laurence Olivier in den Hauptrollen nur so glänzte von feinsinnigen Dialogen, eingebettet in ein virtuos pointiertes, dramaturgisch perfekt inszeniertes Psychogemetzel.

Über Wim Wenders ‚Don’t Come Knocking‘

Besprochen von Christoph Hermann

  • Don’t Come Knocking. Regie: Wim Wenders. Produktion: Deutschland/USA 2005. Laufzeit: 122 Min.

Der in die Jahre gekommene Cowboy Darsteller Howard Spence scheint plötzlich genug von seiner Karriere zu haben, mitten in einer Filmproduktion verlässt er in einer Drehpause das Set und reitet noch im Filmkostüm davon. Da er großer Filmstar ist, lässt er sich nicht ersetzen und seine Fahnenflucht bringt ein Geschäft in Gefahr, bei dem es um Millionen von Dollar geht. Deshalb lässt die Filmversicherung gleich einen ihrer Agenten einfliegen, der sich auf Howards Spur macht.